Die Planung des REWE-Logistikzentrums verlief ohne ausreichende öffentliche Diskussion

Seit September 2016 bereitete die Gemeinde Wölfersheim intern - also ohne Einblicke von außen - dieses größte Projekt vor Ort seit dem Braunkohletagebau vor. Die Entscheidungsträger in der Gemeindevertretung wurden erst sehr kurzfristig darüber informiert und sofort in eine Entscheidungssituation gebracht. Die Wölfersheimer Bürger blieben völlig außen vor.  Eine ausführliche Diskussion fand weder vor noch unmittelbar nach der Grundsatzentscheidung im Parlament statt. Auch Veranschaulichungen fehlten.  

 

Beschluss der Wölfersheimer Gemeindevertretung

Am Freitag, den 3. Februar 2017, erhielten die GemeindevertreterInnen eine Mail, in der für Samstag (4.2.) die Übersendung von Unterlagen für eine größere Baumaßnahme in der Sitzung am Montag drauf angekündigt wurde. Am 6. Februar 2017 beschloss dann die Gemeindevertretung - ohne angemessene parlamentarische Beratung und unter kompletter Ausschaltung der Öffentlichkeit - nach einstündiger, nicht-öffentlicher Sitzung, die großteils aus einer REWE-Selbstdarstellung bestand, die Umwandlung einer 40 Hektar (ha) großen Ackerfläche am Autobahnanschluss zur A 45 in ein Gewerbegebiet: 30 ha für ein REWE-Logistikzentrum, 10 ha für ein zusätzliches Gewerbegebiet der Gemeinde. Die Erörterung des eigentlichen Projekts dauerte bloß eine Viertelstunde. Alle Fraktionen außer den GRÜNEN (1 Gegenstimme, 1 Enthaltung) stimmten für das Projekt.

 

Die Standortsuche von REWE - 10 Standorte, Wölfersheim war nicht dabei!

Der REWE-Konzern plant nach eigenen Angaben bundesweit sieben neue Logistikzentren (Gesamtinvest über 1 Mrd. Euro). Für die „Region Mitte“ wurde im Umkreis von 60 km um Frankfurt nach passenden Gewerbeflächen gesucht. Von zehn potentiellen Standorten erschien einer geeignet - Wölfersheim war in der Auswahl nicht dabei. Aus dem Umfeld des jetzigen Bürgermeisters Eike See erfuhr der damalige Bürgermeister Rouven Kötter von der Suche der REWE, bot ihr das Grundstück an der A 45 bei Berstadt an und versprach, das im regionalen Flächennutzungsplan (FNP) als „Vorrangfläche Landwirtschaft“ ausgewiesene Areal in eine Fläche für Logistik umzuwandeln.

  

Arbeitsplatzargument

Hauptargument für das Projekt war die Schaffung und der Erhalt von Arbeitsplätzen in der Region. Heute wissen wir, sie werden nur von Hungen und Rosbach verlagert und nicht neu geschaffen. Jedoch wird das Zentrum laut REWE bereits für den Einsatz von Robotern vorbereitet. Mittelfristig ist daher ein deutlicher Arbeitsplatzabbau zu erwarten, der sich in der Konsequenz auch negativ auf die von der Gemeinde Wölfersheim erhoffte Gewerbesteuer auswirken wird. Es gibt von REWE keine Arbeitsplatzgarantie an die Beschäftigten.

 

Die Entscheidung im Regierungspräsidium und im Regionalverband

Das Regierungspräsidium Darmstadt genehmigte nur 30 der 40 Hektar. Die Große Koalition in der Regionalversammlung Südhessen hätte das fachliche Votum des Regierungspräsidiums ohnehin mit ihrer Mehrheit überstimmen können.

 

Bodenqualität

Der Bau ist auf einer Landwirtschaftsfläche geplant, die allerhöchste Bodenwerte aufweist - weltweit gibt es also kaum bessere Bodenqualitäten. Dieser wertvolle Boden entstand über Jahrtausende und würde durch die Versiegelung unwiederbringlich zerstört und damit der regionalen Lebensmittelerzeugung entzogen. REWE, die mit regionalen Produkten wirbt, macht sich mit der Vernichtung wertvollsten Ackerbodens vor den Toren der Mainmetropole  unglaubwürdig. 

 

Deshalb hat sich das "Aktionsbündnis Bodenschutz Wetterau" gegründet, dem die beiden Kirchen, die Naturschutzverbände und der Regionale Bauernverband angehören. Der Bund Umwelt- und Naturschutz (BUND Hessen) hat im Namen des Aktionsbündnisses beim Verwaltungsgericht Gießen gegen das Vorhaben (konkret gegen die Änderung des Flächennutzungsplanes) geklagt.